Keyless Go: Manchmal eine Einladung für Autodiebe!

24. März 2016 in News

Sogenannte Keyless-Systeme fürs Öffnen von Autotüren ohne Knopfdruck sind zwar bequem, anscheinend aber auch ein nicht unerhebliches Risiko, weil sie potenziellen Autodieben ihr Verbrechen teils deutlich vereinfachen. Das haben jüngst Tests des Touring Clubs Schweiz (TCS) in Kooperation mit dem Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) ergeben. Die beiden Organisationen haben 24 mit solch einem Keyless-System ausgestattete Autos getestet. Ausnahmslos alle liessen sich relativ einfach illegal öffnen und starten.

Keyless-Systeme lassen sich oft einfach überlisten

Keyless-Autos lassen sich im Gegensatz zu herkömmlichen Funkschlüsseln ohne Knopfdruck öffnen. Der Autobesitzer nähert sich mit dem Schlüssel seinem Auto, das den Schlüssel erkennt. Der Schlüsselinhaber kann das verriegelte Auto dann mit dem Türgriff öffnen. Alles ganz einfach. Das Problem dabei: Auch Dieben wird die Sache bisweilen einfach gemacht.

Ein Diebstahl eines Keyless-Autos funktioniert in der Regel mit mindestens zwei Personen. Ein Täter mit selbstgebauter Funkverlängerung kann das Funksignal verlängern, wenn er sich in der Nähe des Schlüssels aufhält. Ein zweiter Täter hält einen Sender in der Nähe des Fahrzeugs. Er täuscht mit ihm quasi das Vorhandensein des Schlüssels in Autonähe vor. Das Auto lässt sich daraufhin öffnen und kann anschliessend auch gestartet werden.

Das funktioniert durchaus auch, wenn sich der Schlüssel 100 Meter vom Auto entfernt befindet und/oder wenn er innerhalb eines Hauses liegt, schreibt der TCS. Das gestartete Fahrzeug kann dann solange gefahren werden, bis der Tank leer ist oder der Motor abgestellt wird. Profis finden im Ausland aber unter Umständen auch Wege, das Auto passend umzurüsten, damit es dauerhaft weitergefahren werden kann.

Im Test war bei allen 24 Autos mit Keyless-System eine Verlängerung des Keyless-Signals möglich. Alle 24 Autos liessen sich zudem mit dem oben beschriebenen Trick öffnen und bei allen konnte auch der Motor gestartet werden. Zu den getesteten Autos gehören unterschiedlichste Marken von Audi über BMW, Honda, Mitsubishi, Opel und Toyota bis zum VW.

Mangelnde Sicherheit: Ganz neu ist die Erkenntnis nicht

Bereits vor dem TCS und dem ADAC gab es andere Organisationen und Experten, die die Problematik von Keyless-Systemen aufgezeigt haben. So veröffentlichte etwa das Konsumentenmagazin K-Tipp Anfang 2016 einen Artikel über eine Stichprobe mit einem ­Kriminologen und bescheinigte den modernen Autoschlüsseln grosse Sicherheitslücken.

Und man kann noch weiter zurück in die Vergangenheit gehen. 2010 berichtete der Tagesanzeiger über Srdjan Capkun, der damals Assistenzprofessor für Computerwissenschaften an der ETH Zürich gewesen ist. Er hatte sich ein Auto mit Keyless-Entry-System gekauft und zweifelte an der Sicherheit des Systems. Mit zwei seiner Mitarbeitern versuchte er deshalb, sein eigenes Auto zu knacken, was auch ziemlich gut gelang.

Daraufhin kontaktierte und warnte Capkun Autohersteller, damit sie Wege beschreiten, um das Sicherheitsrisiko zu senken. Dabei war er sich allerdings bewusst, dass es wahrscheinlich noch Jahre dauert, bis Keyless-Systeme sich nicht mehr austricksen lassen. Der aktuelle TCS Test zeigt, dass zumindest die Zeit bis 2016 nicht ausgereicht hat. „

Tipps für mehr Sicherheit

Man wolle Autofahrern aber keine Angst machen“, wurde Capkun damals im Tagesanzeiger zitiert. Um sich zu behelfen, riet er, entweder die Batterie aus dem Schlüssel zu nehmen oder ihn mit Alufolie zu umwickeln. Und es gibt noch andere Praxistipps: Die deutsche Hessenschau zitierte 2015 den Polizeisprecher Ingbert Zacharias vom Polizeipräsidium Südosthessen mit dem Tipp, den Schlüssel möglichst weit entfernt vom Auto zu lagern, um die Funkverlängerung zu verhindern.

Die Hessenschau zeigte in ihrem Artikel auch, dass die Ausnutzung der Sicherheitslücke bei Keyless-Systemen keineswegs ein rein theoretisches Risiko ist. Sie berichtete Ende Juli 2015 über den Diebstahl von etwa 80 Luxuskarossen im Raum Offenbach und Hanau. Bei den Diebstählen wurde genau die vom TCS und vom ADAC jetzt beschriebene Diebstahltechnik eingesetzt.

Wie hält es die Versicherung?

Probleme können sich bei AutofahrerInnen auch beim Thema „Versicherung“ ergeben, wenn Autos mit Keyless-Systemen gestohlen und später wiedergefunden werden. In solchen Fällen gibt es oft weder Einbruchs- noch Diebstahlspuren am Auto. Für den Besitzer und die Versicherung ist das eine heikle Situation, warnt der TCS. Im Normalfall gilt jedoch: Die Kaskoversicherung ersetzt den Schaden beim Diebstahl des Autos. Dennoch kann es nicht schaden, sich einmal beim Autoversicherer zu informieren, was er Fahrern von Autos mit Keyless-System rät.

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